Alpen-Murmeltier

Marmota marmota

Steckbrief

Länge:

53 - 73 Zentimeter

Gewicht:

3 Kilogramm

Ernährung:

Pflanzenfresser

Jungtiere:

2 - 4 Jungtiere

Tragzeit:

32 - 34 Tage

Alter:

12 Jahre

IUCN:

nicht gefährdet

BESCHREIBUNG:

Das Alpenmurmeltier ist mit 53 – 73 cm Länge (Freye und Grzimek, 1970 und 1979) das größte Nagetier der Alpen. Mit seinem breiten, gedrungenen Körperbau macht es vielleicht einen etwas plumpen Eindruck, doch gute Graber benötigen einen stabilen Körperbau und eine starke Muskulatur! Mit ihren kräftigen Füßen und langen Grabklauen graben Murmeltiere ihre weitläufigen unterirdischen Behausungen, in deren engen Gängen sie sich äußerst flink und gewandt bewegen. Sie sind wendige Tiere, die bei drohender Gefahr blitzschnell in einem Eingang ihres Baues verschwinden können. Ãœber längere Strecken sind sie jedoch eher langsame Läufer. Lediglich bergab – vor allem auf der wilden Flucht – können die Tiere sehr hohe Geschwindigkeiten erreichen, wobei der Schwanz als Stabilisator eine wichtige Rolle spielt. Ihr dichtes, warmes Fell ist meist gelbbraun bis graubraun. Die Spitze ihres 15 – 20 cm langen Schwanzes ist jedoch immer schwarz. Einmal im Jahr – nach dem Winterschlaf – verlieren die Murmeltiere ihr altes Fell und ersetzen es durch ein neues. Junge Murmeltiere haben ein flauschiges, dunkles Fell, bei älteren Tieren wird das Fell hingegen immer struppiger.

Die oben erwähnten Autoren teilten mit, dass man dieses Murmeltier in Oberbayern „Mankei“, im Allgäu „Murmele“ und in der Schweiz „Murmeli“ nennt. Der Jäger spricht vom „Bär“, wenn er das Männchen meint und von der weiblichen „Katze“.

Die Geschlechter sind nur schwer zu unterscheiden, meist sind die Männchen leicht dunkler gefärbt. Die Männchen werden von Jägern auch als „Bär“ und die Weibchen als „Katze“ bezeichnet (siehe oben!).


VERBREITUNGSGEBIET / LEBENSRÄUME:

VERBREITUNGSGEBIET:

Das bei uns heimische Alpenmurmeltier besiedelt den gesamten Alpenbogen von Frankreich über die Schweiz, Bayern, Südtirol bis nach Ostösterreich sowie die Hohe Tatra in der Slowakei. Die meisten Tiere kommen in der Schweiz und in Österreich vor. In Europa gibt es noch eine zweite Murmeltier-Art, das Steppenmurmeltier, welches die baumlosen Grasländer Russlands besiedelt. Aber nicht nur in Europa, sondern auch in Asien und Nordamerika gibt es verschiedene Arten von Murmeltieren, die „unserem" Murmeltier ähnlich sehen. Südlich des Äquators wird man jedoch vergeblich nach einem Murmeltier Ausschau halten, denn Murmeltiere leben ausschließlich auf der Nordhalbkugel der Erde!

LEBENSRÄUME:

Das Murmeltier ist ein tagaktives Nagetier, das in Sippen lebt und ein stark entwickeltes Sozialleben hat. Es ist nahe verwandt mit dem Eichhörnchen, kann aber im Gegensatz zu diesem nicht klettern. Das braucht es auch nicht zu können, denn es lebt hoch oben in den Alpen oberhalb der Waldgrenze, wo es keine Bäume mehr gibt. Stattdessen besitzt es kräftige Beine und Krallen, mit denen es weitläufige Baue in die Erde gra-ben kann, um darin zu wohnen und einen Winterschlaf zu halten. Das Murmeltier ist ein ganz außergewöhnliches Säugetier, das es geschafft hat, sich durch eine Reihe erstaunlicher Eigenschaften an seinen extre-men, unwirtlichen Lebensraum in den Alpen anzupassen. Murmeltiere leiden schnell an Überhitzung und verbringen deshalb an warmen Tagen einen großen Teil der Tageszeit im kühleren Bau.


GEFÄHRDUNG:

Die Jungtiere sind geschützt.

Murmeltiere stehen unter Naturschutz. Das osteuropäisch-asiatische Steppenmurmeltier Bobak ist fahlrostrotgelb und leider wegen seines schönen Felles geschätzt. Die Jagd auf das Murmeltier, dessen Öl Heilkraft -sogenanntes „Mankeischmalz“ (Freye und Grzimek, 1970 und 1979) zugeschrieben wird und welches früher zu Heizzwecken verwendet wurde, hat jedoch einst fast zur Ausrottung der Tiere geführt.

Von der IUCN werden sie als nicht gefährdet eingestuft.


NAHRUNG:

Als Nahrung dienen im zeitigen Frühjahr noch Wurzeln, später Blätter und Blüten einer Reihe von Kräutern und Gräsern. Alpenmurmeltiere leiden während der Sommermonate nur äußerst selten an Nahrungsmangel. Sie nutzen nur einen Teil der zur Verfügung stehenden Nahrung und profitieren sogar davon, wenn die alpinen Matten, auf denen sie sich aufhalten, durch Rinder beweidet werden, da dies den frischen Pflanzennachwuchs fördert. Die Nahrungsaufnahme wird dagegen durch andere Faktoren begrenzt: Murmeltiere leiden schnell an Überhitzung und verbringen deshalb an warmen Tagen einen großen Teil der Tageszeit im kühleren Bau. Auch wiederholte Störungen durch Fressfeinde oder Menschen limitiert die Zeit, die die Tiere mit Fressen verbringen können.

FEINDE:

Die gefährlichsten Feinde sind Steinadler und Fuchs. Ab und zu erbeuten auch Marder, Kolkraben oder Uhus junge Murmeltiere.


FORTPFLANZUNG:

Die Paarungszeit setzt nach der Überwinterung im April/Mai ein und dauert etwa zwei Wochen. Nur das ranghöchste Weibchen des Familienverbandes kommt zur Fortpflanzung. Subdominante Weibchen werden zwar ebenfalls trächtig. Rangkämpfe mit dem dominanten Weibchen, die insbesondere in den ersten drei Wochen der Trächtigkeitsphase stattfinden, lassen jedoch die Konzentration an Glucocorticoiden, die zu den Nebennierenrinden -Hormonen zählen, in ihrem Blut so ansteigen, dass sie die Embryonen entweder resorbieren oder absorbieren. Das ranghöchste Weibchen verpaart sich nicht nur mit dem ranghöchsten Männchen, sondern auch mit subdominanten Männchen. Untersuchungen weisen darauf hin, dass das dominante Männchen bei bis zu 25% der Jungtiere nicht der Vater ist. Bei den subdominanten Männchen handelt es sich allerdings häufig um Söhne des dominanten Männchens. In vielen Fällen sind sie auch Nachkommen des ranghöchsten Weibchens, so dass der Inzuchtgrad innerhalb einer Familiengruppe sehr hoch sein kann.


Die Möglichkeit für ein subdominantes Männchen, sich fortzupflanzen, trägt vermutlich dazu bei, dass es länger im Familienverband verbleibt. Subdominante weibliche Tiere wandern im Schnitt im Alter von 2,8 Jahren aus einem Familienverband ab. Männchen sind durchschnittlich 3,2 Jahre alt, wenn sie ihre Geburts-gruppe verlassen. Vom Verbleib der männlichen Jungtiere profitiert das dominante Männchen, da die Jungtiere im Winter von den männlichen Tieren eines Familienverbandes gewärmt werden. Je mehr männliche Tiere da sind, desto größer ist die Chance, dass die Jungtiere, die zum überwiegenden Teil vom dominanten Männchen abstammen, den Winter überleben. Rangniedrigere Männchen haben in der Zeit, die sie im Familienverband verbleiben, zwar eine geringe Anzahl direkter Nachkommen. Als „Helfer“ geben sie aufgrund eines engen Verwandtschaftsverhältnisses ihre Gene jedoch auch indirekt weiter.


Etwa zwei Wochen nach dem Verlassen des Baus - Anfang Mai - findet die Paarung statt. Die Weibchen erreichen ihre Fortpflanzungsfähigkeit im Alter von drei Jahren und tragen dann jedes zweite Jahr. Die Männchen sind normalerweise monogam. Die Paarung findet im Bau statt. Nach einer Tragzeit von 32 bis 34 Tagen wirft das Weibchen Anfang Juni zwei bis vier, manchmal gar bis sieben Junge im Nest einer Kammer, deren Eingang es mit Heu verstopft. Die Jungen sind ungefähr 30 Gramm schwer und kommen blind und nackt zur Welt. Nach zwei Wochen haben sie die Größe einer Ratte erreicht. Die ersten Ausflüge aus dem Bau machen sie im Alter von 35 bis 40 Tagen. Dabei bleiben die Jungen, die sofort mit Fressen von Pflanzen beginnen, in der Nähe des Baus. Im August haben sie ungefähr die Hälfte der Größe eines erwachsenen Tiers erreicht; vor ihrem ersten Winterschlaf sind sie 1 bis 1,5 kg schwer, vor dem zweiten 2 bis 3 kg. Mit drei Jahren ist ihr Körper ausgewachsen. Die Sterblichkeit der Jungen ist sehr hoch: 30% sterben vor dem ersten Winterschlaf. Die Lebenserwartung liegt bei bis zu 12 Jahre in freier Wildbahn und bis zu 18 Jahren in menschlicher Obhut.


SYSTEMATIK:

Reich

Tiere (Metazoa)

Stamm

Chordatiere (Chordata)

Unterstamm

Wirbeltiere (Vertebrata)

Klasse

Säugetiere (Mammalia)

Ordnung

Nagetiere (Rodentia)

Unterordnung

Hörnchenverwandte (Sciuromorpha)

Überfamilie

-

Familie

Hörnchen (Sciuridae)

Unterfamilie

Erd- und Baumhörnchen (Sciurinae)

Gattung

Murmeltiere (Marmota)

Art

Alpenmurmeltier (Marmota marmota)

Unterart

Erstbeschreiber

Linnaeus, 1758


LITERATUR:

           

Informationen

Autor:

Ingo Renner
www.zooderminis.de

Autoren Email:

webmaster-zooderminis(at)web.de